An vielen Einzelhandelsstandorten ist Ladeinfrastruktur bereits vorhanden oder geplant. Ihre Auslastung hängt jedoch häufig von den Öffnungszeiten und dem Kundenaufkommen ab. Gleichzeitig verfügen gewerbliche Flotten, Taxiunternehmen oder Carsharing-Anbieter nicht immer über eigene geeignete Flächen und Netzanschlüsse für den Aufbau von Ladeinfrastruktur.
Vor diesem Hintergrund untersuchten das Reiner Lemoine Institut und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Projekt Retail4Multi-Use, wie unterschiedliche Nutzergruppen zu planbaren Zeiten auf dieselben Ladepunkte zugreifen können. Der Projektzeitraum erstreckte sich von Januar 2023 bis Dezember 2025.
Modellierungen zeigen mögliche Entlastungseffekte
Auf Basis realer Mobilitätsdaten wurden Fahr- und Ladeprofile erstellt und verschiedene Szenarien für die Jahre 2035 und 2045 in Berlin und Stralsund untersucht. Nach Angaben des Projektteams könnte die Mehrfachnutzung die Auslastung von Ladeinfrastruktur an Einzelhandelsstandorten um bis zu 255 Prozent erhöhen.
Zugleich zeigen die Modellierungen, dass der Bedarf an zusätzlichen Ladepunkten im öffentlichen Straßenraum um rund 17 Prozent sinken könnte. Die Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchten Modellregionen und lassen sich nicht unmittelbar auf andere Städte oder Regionen übertragen. Die im Projekt entwickelten Methoden sollen jedoch auch für weitere Standortarten und Regionen eingesetzt werden können.
Neben Einzelhandelsparkplätzen kommen beispielsweise Bürostandorte, Parkhäuser, Flächen der Wohnungswirtschaft und Standorte in ländlichen Räumen für entsprechende Nutzungskonzepte infrage.
Plattform und DIN SPEC unterstützen die Umsetzung
Im Rahmen des Projekts entwickelte die Localiser RLI GmbH eine kostenfrei nutzbare Matching-Plattform. Sie soll Flottenbetreibende mit Standorten zusammenbringen, an denen vorhandene Ladeinfrastruktur für weitere Nutzergruppen zur Verfügung gestellt werden kann.
Mit der DIN SPEC 91495 liegt zudem eine Anleitung für die Umsetzung von Mehrfachnutzungskonzepten an Einzelhandelsstandorten vor. Sie beschreibt wesentliche Anforderungen und Abläufe für die Anbahnung und Ausgestaltung entsprechender Kooperationen.
Ergänzend wurden Faktenblätter für Kommunen, den Einzelhandel, Flottenbetreibende und Betreiber von Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Darin werden die jeweiligen Nutzungsmöglichkeiten und Anforderungen zusammengefasst.
Das Projekt wurde im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität mit rund 1,66 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert. Die Fördermaßnahme wurde durch die NOW GmbH koordiniert und durch den Projektträger Jülich umgesetzt.
→ Weitere Informationen, Faktenblätter und Abschlussbericht des Forschungsprojekts Retail4Multi-Use





