Umrüstung statt vorzeitiger Austausch
Bestehende Dieselbusse auf Elektroantrieb umzurüsten, könnte die vollständige Elektrifizierung der europäischen Busflotte um rund 15 Jahre beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa. Die Untersuchung wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts CircEUlar durchgeführt und im Fachjournal „Environmental Research: Infrastructure and Sustainability“ veröffentlicht.
Bislang werden Dieselbusse in der Regel am Ende ihrer Nutzungsdauer durch neue Elektrobusse ersetzt. Nach den Berechnungen der Studie würde es bei diesem Vorgehen mindestens bis 2055 dauern, bis mehr als 95 Prozent der europäischen Busflotte elektrifiziert sind. E-Retrofitting könnte diesen Prozess deutlich beschleunigen.
Antrieb austauschen, Fahrzeug weiter nutzen
Beim E-Retrofitting werden im Wesentlichen Motor und Getriebe eines Dieselbusses ersetzt und Batterien eingebaut. Karosserie und Innenraum können weiter genutzt werden. Auf diese Weise lässt sich die Nutzungsdauer bestehender Fahrzeuge verlängern.
Laut Studie verursacht die Umrüstung eines Busses rund 20 bis 50 Prozent weniger Umweltauswirkungen als die Produktion eines neuen Elektrobusses. Auch ausgebaute Bauteile bestehen überwiegend aus recyclingfähigen Materialien wie Stahl und Aluminium.
Besonders bei Stadtbussen sieht die Untersuchung gute Voraussetzungen für standardisierte Lösungen. Im Vergleich zu Pkw gibt es hier weniger Modellreihen, die jeweils in größeren Stückzahlen eingesetzt werden. Mit standardisierten Retrofit-Kits könnte die Umrüstung eines einzelnen Busses innerhalb weniger Tage erfolgen und damit ohne größere Auswirkungen auf den laufenden Betrieb umgesetzt werden.
Damit E-Retrofitting künftig in größerem Maßstab zum Einsatz kommen kann, müssen die technischen Lösungen nach Einschätzung der Studie weiter standardisiert und skaliert werden. Die erforderliche Ladeinfrastruktur war nicht Gegenstand der Untersuchung und muss bei der Umstellung von Busflotten gesondert berücksichtigt werden.
Nordrhein-Westfalen fördert Infrastruktur für emissionsfreie Busse
Für den Betrieb elektrifizierter Busflotten ist eine geeignete Lade- und Werkstattinfrastruktur erforderlich. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert deshalb Investitionen in die notwendige Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Linienbusse sowie spezifische Werkstatteinrichtungen mit 90 Prozent der zuwendungsfähigen Investitionskosten.
Antragsberechtigt sind Kreise, Städte und Gemeinden, öffentliche und private Verkehrsunternehmen sowie juristische Personen des privaten Rechts, die Zwecke des öffentlichen Personennahverkehrs verfolgen. Die geförderte Infrastruktur muss ausschließlich für Busse genutzt werden, die zu mindestens 75 Prozent im entsprechenden Linienverkehr in Nordrhein-Westfalen eingesetzt werden. Anträge können jederzeit bei den zuständigen Zweckverbänden go.Rheinland, Nahverkehr Westfalen-Lippe oder Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gestellt werden.





